Wein trinken erhält Kulturlandschaft!

Landwirtschaftsminister Peter Hauk

News-Archiv

vom: 8. September 2021

Herbst­pres­se­kon­fe­renz 2021, WG Brit­zin­gen, Markgräflerland

Bei der dies­jäh­ri­gen Herbst­pres­se­kon­fe­renz des Badi­schen Wein­bau­ver­ban­des in Brit­zin­gen im Mark­gräf­ler­land schil­der­te Wein­bau­prä­si­dent Rai­ner Zel­ler die Unbil­len des Jahr­gangs 2021. Frost und Hagel­schä­den hät­ten ins­be­son­de­re im Mark­gräf­ler­land zu Ertrags­ein­bu­ßen geführt.

Bereits um die Oster­zeit, so Hol­ger Klein, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer des Wein­bau­ver­ban­des, tra­ten teil­wei­se star­ke Frost­schä­den von 20 bis 80 Pro­zent in den Berei­chen Mark­gräf­ler­land, Kai­ser­stuhl, Tuni­berg, Breis­gau und der Orten­au auf. Die Anbau­be­rei­che Badi­sche Berg­stra­ße, Boden­see, Kraich­gau und Tau­ber­fran­ken sei­en glück­li­cher­wei­se wei­test­ge­hend ver­schont geblieben.

Früh­jahrs­frös­te um Ostern mit teil­wei­se 80% Ertrags­aus­fäl­len, Hagel­schau­er, über­durch­schnitt­li­che Nie­der­schlä­ge mit gra­vie­ren­den Aus­wir­kun­gen auf die Reb­ge­sund­heit (Pilz­krank­hei­ten wie Reben­pe­ro­no­s­po­ra und Esca). Ins­be­son­de­re die Bio­win­zer wur­den hart getroffen.

Der Wein­bau wer­de künf­tig wohl häu­fi­ger mit ver­gleich­ba­ren Extrem­jah­ren zu rech­nen haben. Wei­te­re Ein­schrän­kun­gen bei Pflan­zen­schutz­mit­teln könn­ten die Win­zer in Jah­ren wie 2016 und 2021 an den Rand ihrer Exis­tenz bringen.

Baden wer­de 2021 eine um 20 Pro­zent gerin­ge­re Wein­men­ge (2019 = 120 Mio. l, 2020 = 110 Mio. l) ein­fah­ren. Bei sta­bi­len Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen kön­ne „auf gute Qua­li­tä­ten mit mode­ra­tem Alko­hol­ge­halt und einer ani­mie­ren­den Aro­men­aus­prä­gung“ gehofft werden.

Wäh­rend es sich beim Kli­ma­wan­del am Mit­tel­meer ledig­lich um eine Erhö­hung der Tem­pe­ra­tur bei blei­ben­der Tro­cken­heit hand­le, so Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Hauk MdL, tra­ge in unse­ren Brei­ten d.h., nörd­lich der Alpen, zusätz­lich die Feuch­te eine tra­gen­de Rol­le hin­sicht­lich des Pilz­drucks. Daher müs­se die Pilz­wi­der­stands­fä­hig­keit unse­rer Reb­sor­ten deut­lich erhöht wer­den. Auf poli­ti­scher Ebe­ne, ins­be­son­de­re für die Bio­win­zer, sei mit einer Neu­zu­las­sung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die es schon vor 10 Jah­ren gab, den sog. Orga­ni­schen Phos­pho­na­ten, nicht zu rech­nen. Es wäre falsch, die Hoff­nung auf Pflan­zen­schutz­mit­tel zu set­zen, die es schon gibt. Die For­schung soll­te wei­ter­kom­men mit Bio­zi­den, vor allen Din­gen das Augen­merk auf pilz­wi­der­stands­fä­hi­ge Sor­ten legen. Beim Bund und der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on wer­de man sich dafür ein­set­zen, mehr Res­sour­cen in die Erfor­schung alter­na­ti­ver Behand­lungs­mit­tel zu investieren.

Natür­lich wür­de ein Win­zer ent­geg­nen, dass es unheim­lich schwie­rig sei, neben Reb­sor­ten wie dem Gut­edel, dem Aus­hän­ge­schild der Mark­gräf­ler Win­zer oder Ries­ling, Rulän­der, Grau­bur­gun­der oder Spät­bur­gun­der, eine neue Reb­sor­te zu ver­mark­ten. Die Leu­te sei­en doch überfrachtet.

Hauk glau­be, „wir soll­ten auch unse­re Ver­mark­tungs- und Mar­ke­ting­stra­te­gien über­den­ken. Wir soll­ten ver­stärkt dar­auf gehen, was die Men­schen wol­len. Die Men­schen kau­fen nicht den Ries­ling. Den Gut­edel kauft man, weil man weiß, den gibt es nur im Mark­gräf­ler­land und am Boden­see auf der Rei­chen­au.“ Ansons­ten wer­de sel­ten die Sor­te gekauft, man kau­fe den Wein, den man ken­ne, der einem schme­cke, der gut sei. Das Heil lie­ge in der Ver­mark­tung der Genos­sen­schaf­ten und Win­zer selber.

Der ver­meint­li­che Nach­teil der klein­tei­li­gen Auf­stel­lung gegen­über ande­ren Wein­bau­re­gio­nen der Welt wie den Kali­for­ni­ern, Fran­zo­sen, Süd­afri­ka, Argen­ti­ni­en oder Chi­le, kön­ne auch eine Lösung sein! Dass eben eine im Welt­maß­stab klei­ne WG Brit­zin­gen auch des­halb her­aus­ste­che, weil sie eben die WG Brit­zin­gen sei. Weil man die Lage und Land­schaft ken­ne, sich, wenn man ein­mal hier im Urlaub war, dar­an erin­ne­re und des­halb auch den Wein trin­ke. Es sei sekun­där, um wel­che Reb­sor­te es sich dabei hand­le, wich­tig sei, dass der Wein schmecke. 

Nicht die Sor­te sei bei den pilz­wi­de­stands­fä­hi­gen Reb­sor­ten an die Frau oder den Mann zu brin­gen, son­dern der Wein! Die­sen so zu machen, dass er beim Kon­su­men­ten ankom­me. Die Mög­lich­keit der Cuvées soll­te hier durch­aus noch inten­si­ver genutzt wer­den, als es bis­her der Fall sei. Es mache auch Sinn, dass man den Wein mehr mit dem Namen des Erzeu­gers als mit der Reb­sor­te ver­bin­det. Das Wein­be­zeich­nungs­recht gebe hier mitt­ler­wei­le ver­schie­dens­te Mög­lich­kei­ten, die man nut­zen sollte.

Arten­viel­falt und Wein­bau beschränk­ten sich nicht nur auf die Fra­ge, wie die Wein­ber­ge bewirt­schaf­tet wer­den. Wich­tig sei auch, wie die­se bewirt­schaf­te­ten Flä­chen in die ande­ren Flä­chen ein­ge­bet­tet sei­en. Die Viel­falt wer­de eben­so, im Gegen­satz zu hun­der­te von Hekt­ar gro­ßen Mono­kul­tu­ren, von abwechs­lungs­rei­chen Baum­grup­pen, Hecken, Tro­cken­mau­ern u.a. in rela­tiv klein­tei­li­gen Struk­tu­ren bestimmt.

Die­se Viel­falt gel­te es zu erhal­ten, eben­so den Wein­bau. Der Wein­bau in Baden-Würt­tem­berg sei eben teu­er, da noch immer mit hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten ver­bun­den. Es sei wich­tig, dass der alters­be­ding­ten Struk­tur­wan­del die Bewirt­schaf­tung der Flä­chen wei­ter­hin ermög­li­che und genü­gend Nach­fol­ger gefun­den werden.

Der gesell­schaft­li­che Wan­del mit der For­de­rung nach mehr Arten­schutz und Bio­di­ver­si­tät sei eine Her­aus­for­de­rung und erzeu­ge einen hohen Erwar­tungs­druck auf die Land­wirt­schaft und den Wein­bau. Mit dem Bio­di­ver­si­täts­stär­kungs­ge­setz habe die Lan­des­re­gie­rung in 2020 einen wich­ti­gen Schritt getan. Minis­ter Hauk: „Bis 2030 sol­len bei­spiels­wei­se 40 bis 50 Pro­zent che­misch-syn­the­ti­scher Pflan­zen­schutz­mit­tel ein­ge­spart und der öko­lo­gi­sche Anbau auf 30 bis 40 Pro­zent der Flä­che aus­ge­dehnt werden.

v.l.: Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Hauk, Wein­bau­prä­si­dent Rai­ner Zeller,die Badi­sche Wein­kö­ni­gin Kat­rin Lang

Minis­ter Hauks größ­te Sor­ge sei der­zeit die, dass es genü­gend Men­schen gebe, die von der Bewirt­schaf­tung auch leben kön­nen. Und damit sie das könn­ten, müs­se der Absatz stimmen.

Und eben dies sei das Ent­schei­den­de, dass man dies den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern begreif­lich mache. Auf jene in Schles­wig-Hol­stein, in Über­see und Eng­land oder Däne­mark habe er nur wenig Ein­fluss. Aber auf die Baden-Würt­tem­ber­ger Bür­ger und Lan­des­re­gie­rung kön­ne er als Lan­des­mi­nis­ter ein biss­chen ein­wir­ken. Die Bot­schaft hie­ße ein­deu­tig „Wer den Wein hier aus Baden-Würt­tem­berg trin­ke, leis­te auch einen Bei­trag für die Erhal­tung der Kulturlandschaft.“

Durch Trin­ken kön­ne man dazu bei­tra­gen, dass die Land­schaft so blie­be wie sie sei. Jede 2.Flasche Wein, die hier getrun­ken wer­de, stam­me eben nicht aus Baden-Würt­tem­berg, son­dern aus ande­ren Län­dern. Etwas mehr Lokal­pa­trio­tis­mus nüt­ze schließ­lich auch einem selbst, wenn man die Fens­ter­lä­den öff­ne mit Sicht in eine solch herr­li­che Landschaft. 

Zu die­sem Aspekt sol­len in den nächs­ten 4–5 Jah­ren in Zusam­men­ar­beit mit den Wein­bau- und land­wirt­schaft­li­chen Ver­bän­den eini­ge Akzen­te zum The­ma „Natür­lich VON DAHEIM“ gesetzt wer­den. Das Land wer­de die Regio­nal­kam­pa­gne wei­ter­ent­wi­ckeln, um den Kon­sum regio­na­ler Pro­duk­te zu fördern.

Offizielle Weinlese-Eröffnung des Jahrgangs 2021 beim Badischen Weinbauverband in Britzingen. v.l.: Martin Löffler (Bürgermeister Müllheim), Holger Klein (stellv. Geschäftsführer Badischer Weinbauverband), Landwirtschaftsminister Peter Hauk, die Badische Weinkönigin Katrin Lang, Weinbaupräsident Rainer Zeller sowie die Vizepräsidenten des Verbandes Martin Schmidt, Stephan Danner und Thomas Walz

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